GEDICHTE
Rot war der Abend
Schon starb der Tag. Der Wald war zauberhaft,
und unter Farnen bluteten Zyklamen,
die hohen Tannen glühten, Schaft bei Schaft,
es war ein Wind, - und schwere Düfte kamen.
Du warst von unserm weiten Weg erschlafft,
ich sagte leise deinen süßen Namen:
Da bohrte sich mit wonnewilder Kraft
aus deines Herzens weißem Liliensamen
die Feuerlilie der Leidenschaft.
Rot war der Abend und dein Mund, dein Mund so rot,
wie meine Lippen sehnsuchtheiß, sehnsuchtsheiß ihn fanden,
jene Flammen, die uns jäh durchloht,
sie leckten an den neidischen Gewanden
Rot war der Abend und dein Mund so rot.
Der Wald war stille, und der Tag war tot.
Uns aber war der Heiland auferstanden,
und mit dem Tage starben Neid und Not.
Der Mond kam groß an unsern Hügeln landen,
und leise stieg das Glück aus weißem Boot.
Rot war der Abend und dein Mund, dein Mund so rot,
wie meine Lippen sehnsuchtheiß, sehnsuchtsheiß ihn fanden,
jene Flammen, die uns jäh durchloht,
sie leckten an den neidischen Gewanden
Rot war der Abend und dein Mund so rot.
